Amerika und die Todesstrafe
Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so wurde es damals im alten Europa gepriesen. Ein Land, wo Träume wahr wurden und die Karriere vom Tellerwäscher bis hin zum Millionär möglich war.
Doch blickt man jetzt nach Westen, zu dem Land am anderen Ende des Atlantiks, stellt man fest, dass dieses Amerika kein Paradies mehr ist. Amerikaner, die an Fettleibigkeit erkrankt sind und wo die Menschen mit ihrem Übergewicht zu kämpfen haben, denn eine ausgewogene Ernährung dürfte in diesem Land zu einem Fremdwort geworden sein.
Amerika, wo die Industrie sich gegenseitig nur so übertrumpft und die CO²-Werte in die Höhe treibt. Ein Land, in dem es schwer ist, mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Ja, das ist das Land, das einmal als Paradies bezeichnet wurde.
Amerika ist in über 50 Bundesstaaten gegliedert und diese unterscheiden sich durch kleine Gesetzesunterschiede. Das Wort „klein“ ist dort relativ, wenn man das Waffengesetz anspricht. In vielen Bundesstaaten dürfen schon Minderjährige Waffen besitzen und ein Waffenschein ist zum Teil gar nicht erforderlich. Als Österreicher ist diese Gesetzgebung nahezu unglaubwürdig, denn in unserem Land herrschen noch „strengere“ Gesetze, Gott sei Dank.
Wenn man sich einen zwölf-jährigen amerikanischen Jungen mit einer Waffe in der Hand vorstellt, der aus Wut auf einen Freund mit der Waffe auf ihn zielt, um sich zu rächen, denkt man eher an einen schlechten Film – doch in den USA entspricht dieses Bild wahrscheinlich der Realität. Der zwölf-jährige Junge wird von der Exekutive auf brutalste Weise abgeführt und wie ein Erwachsener verurteilt. In Österreich wäre so etwas undenkbar, denn ein solcher Junge würde in das Jugendschutzgesetz hineinfallen und nur eine relativ niedrige Strafe bekommen, während die Eltern ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.
Man könnte sich ewig mit solchen Vergleichen und Beispielen aufhalten, doch jetzt möchte ich zum eigentlichen Thema zurückkehren.
Fakt ist, dass in Amerika viele Straftäter auf die Todesstrafe warten und einige Bundesstaaten dieses Ritual bis zum heutigen Tage durchziehen. Es wird behauptet, dass im Vergleich sehr viele Schwarze in der Todeszelle sitzen im Gegensatz zu weißen Straftätern. Ermittelt das FBI sehr schlampig, wenn ein Schwarzer eventuell verdächtigt erscheint? Hat sich der Rassismus in den USA noch immer nicht erlegen lassen?
Ein Mensch begeht eine schlimme Straftat, zum Beispiel einen Mord, und wird zur Hinrichtung durch die Giftspritze verurteilt. Dieser Mensch wartet vielleicht 15 Jahre in der Todeszelle bis das Urteil erst gefällt wird. Keiner fragt sich, ob dieser Mensch vielleicht seine Schuld in dieser Zeit eingestanden hat und zutiefst bereut. Vielleicht begann er damals den Mord aus Notwehr oder war nicht zurechnungsfähig. Doch das interessiert die amerikanische Justiz nicht, sondern für diese steht nur ein Bild im Raum: „Mord ist Mord, egal wie.“ Dieser Mensch wird nun in die Kammer geholt, wo die Hinrichtung vollzogen wird; die Angehörigen des Opfers, das schon seit 15 Jahren unter der Erde liegt, warten rachedurstig auf dieses Urteil, ohne dabei wirklich an das ermordete Familienmitglied zu denken. Es stellt sich keiner die Frage, ob dieser Gefangene bereut oder ob es überhaupt er war, der den Mord wirklich begangen hatte. Mit großer Begeisterung verfolgen die amerikanischen Medien diesen menschenunwürdigen Vollzug, um für eine weitere spannende Schlagzeile zu sorgen – ohne einmal darüber nachzudenken, wie es den Angehörigen des Häftlings gehen könnte.
Wenn aber ein Serienmörder dieses Todesurteil erhält, der aus Lust einfach tötet, findet man doch dieses Urteil eigentlich sehr gerecht. Hat so ein Mensch es überhaupt verdient zu leben, wenn er anderen das Leben nimmt, nur weil er gerade Lust dazu hat. Sollen die Amerikaner dafür Steuern zahlen, damit dieser Täter sein tägliches Essen im Gefängnis bekommt?
Oder ein Kinderschänder, der sich an nackten toten Kinderkörpern „aufgeilt“ – für diesen Triebtäter soll ich Steuern zahlen, damit er ein warmes Bett im Gefängnis hat? Nein, da möchte man doch insgeheim selbst, dass dieser Mensch zu Tode kommt und genauso Angst haben muss vor dem Tod – genauso wie seine Opfer diese Angst hatten.
Also ist die Todesstrafe gerecht und sorgt für weniger Kriminalität oder besitzt die amerikanische Justiz noch Strafmethoden aus dem Mittelalter?
Interessant wäre es, zu wissen, in welchen Fällen die Todesstrafe durchgeführt wird. Was muss ein Mensch tun, um diese Strafe zu erhalten? Wie gründlich liefen die Ermittlungen der Polizei, um so ein Urteil – ohne mit der Wimper zu zucken – zu genehmigen? Wie viele Menschen sind schon unschuldig durch die Todesstrafe gestorben? Fragen, die wir wahrscheinlich niemals beantwortet bekommen werden.
Amerika ist und bleibt ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der unbegrenzten Gesetze.
Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist sehr zwiespältig. Wie können nur fremde Menschen ein Urteil über ein anderes Leben fällen, ohne Mitgefühl zu zeigen. Wie kann ein Mensch einem anderen die Giftspritze verabreichen ohne dabei mit der Wimper zu zucken? Eine schreckliche Vorstellung, wenn ein Gefangener jahrelang auf seine Hinrichtung wartet und auf einmal ist der Tag X da. Was muss so ein Mensch nur zu dieser Zeit fühlen. Hat er Angst oder ist er froh, dass das lange Warten endlich vorbei ist? Was passiert, wenn ein Mensch unschuldig hingerichtet wird? Sagen dann die Richter zu den Angehören: “Upps, Entschuldigung, aber jetzt können wir auch nichts mehr machen, aber wir können Sie mit Geld entschädigen.“
Ist das Amerika und seine Freiheit? Kann man ein Menschenleben mit Geld ersetzen? Ich glaube in Amerika schon, denn was ist in diesem Land nicht möglich.
Andererseits, wenn ich mich in die Rolle einer Mutter versetze und mir vorstelle, mein Kind wäre auf brutalste Weise getötet worden, würde ich dem Täter nicht auch die Todesstrafe mit meinem ganzen Herzen wünschen? Ja, das würde ich. Ich würde wollen, dass dieser Mensch das gleiche grausame Schicksal erfährt, dass mein Kind erfahren musste.
Über das Thema Todesstrafe und Amerika lässt sich streiten. Ich bin froh, in Österreich zu leben und nicht mit so einer skandalösen Gesetzgebung in Berührung zu kommen.
Lassen wir Amerika Amerika sein, denn wir – kleines Österreich – können dem großen mächtigen Nachbar Amerika nicht einmal die Preise für Zahnpasta vorschreiben, geschweige denn die Moralfrage bei der Todesstrafe.

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