Die Telefonzelle – Fossil oder Klassiker?

Die Telefonzelle – Fossil oder Klassiker?

Es war einmal ein Ort in der Großstadt, zu dem der Lärm kaum vordringen konnte. Ein Ort, an dem man inmitten der Menschenmasse etwas Ruhe finden konnte. Ein Ort, dessen Design oft den Charakter einer ganzen Stadt prägte. Ein Ort, der inzwischen rar geworden ist – die Telefonzelle.

Geschichte der Telefonzelle
Die Telefonzelle, ursprünglich Fernsprechkiosk genannt, hat bereits eine fast 130 Jahre alte Geschichte hinter sich. Bereits am 12. Januar 1881 wurde das erste Gerät in der damaligen Reichshauptstadt Berlin errichtet. Doch auch die Zeit davor war keine „hörerlose“ Epoche. Wurde in diesem Winter die erste freistehende Telefonzelle errichtet, gab es zuvor schon mit Telefonen versehene Räume in Postämtern, Behörden und in den Eingangshallen gut ausgestatteter Hotels.

Hatte der deutschsprachige Raum in den Zeiten des 1. Weltkrieges keine Gelegenheit, sich mit Telekommunikation zu beschäftigen, folgte in der Zwischenkriegszeit der Boom und Telefonzellen prägten das Erscheinungsbild der Großstädte mehr und mehr. Aufgrund fehlender Alternativen avancierten diese in manchen Vierteln zu gesellschaftlichen Treffpunkten und es galt als weltmännisch, sich zu einer gewissen Zeit von verschiedenen Telefonzellen aus anzurufen.

Ende der 1980er-Jahre wurden die bisherigen Münzautomaten aufgrund von Vandalismus und Diebstahl mehr und mehr durch Kartentelefone ersetzt. Bis dahin wurden noch stählerne, gepanzerte Münztresore und vieles mehr eingesetzt, um Vandalen von den Münzen fernzuhalten, doch oftmals leider vergeblich.

Aktuelle Entwicklung
Aufgrund der rasanten Verbreitung von Mobiltelefonen kam es zu gewaltigen Veränderungen. In Österreich gab es mit Stand 2007 eine Mobilfunkverbreitung von 115 %, d.h. in Österreich gibt es mehr aktivierte SIM-Karten als Einwohner.

Dieser Vormarsch der Handys führte zu einer zunehmenden Verdrängung der klassischen Telefonzelle. Ob die Telefonzellen das Zeitalter der Mobilfunktechnologie überleben werden oder ob sie, wie bereits von der Telekom Austria begonnen, in Stromtankstellen umgewandelt werden, wird die Zeit zeigen.

Infos zu Christoph Kinast

Christoph Kinast stammt aus Buchkirchen bei Wels, einem Ort im "Speckgürtel" von Wels und maturierte 2010 an der Handelsakademie I Wels. Er studiert Wirtschaftswissenschaften in Linz und engagiert sich unter anderem in der Welser Volkspartei, dem MKV und dem CV.

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